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Englisch Die Literatur Den Anfang des litauischen Schrifttums markieren die in ostslavischer Kanzleisprache verfaßten Chroniken des Großfürstentums Litauen. Im Mittelalter und insbesondere in der Renaissance waren hier Latein und das Polnische verbreitet. Die volkstümliche litauische Sprache führte ein Schattendasein. Erst im 16. Jahrhundert, als der Protestantismus das Land erreichte, entstand Literatur in der litauischen Sprache. Sakrale und didaktische schöngeistige Literatur erlebten gemeinsom ihre Geburtsstunde in dem ersten litauischen Buch, dem 1547 im preußischen Karaliaucius (Königsberg) herausgegebenen lutherischen Katechismus Katekizmas. Auf diese Weise wählte das Litauische die lateinische Schrift. Das Schrifttum in der litauischen Sprache festigte im 16.-17. Jahrhundert seine Position -- Konstantinas Sirvydas gab das erste Wörterbuch der litauischen Sprache heraus, die Bibel wurde ins Litauische übertragen. Der größte Verfechter der litauischen Sprache auf dem Gebiet des Großfürstentums Litauen war damals Mikalojus Dauksa. Anfang des 18. Jahrhunderts vollzog sich die Verbreitung der weltlichen Literatur. 1706 erschienen die Fabeln von Äsop auf Litauisch. Der Begründer der professionellen litauischen Literatur war Kristojonas Donelaitis, der im 18. Jahrhundert in der preußischen Provinz wirkte. Seine in Hexametern geschriebene Dichtung Metai (Die Jahreszeiten) ist in die wichtigsten Sprachen übersetzt und als einmalige Meisterleistung anerkannt. Die Entwicklung der litauischen Literatur Anfang des 20. Jahrhunderts muß man im Kontext der nationalen Befreiungsbewegung, des 1. Weltkrieges und der Zeit der ersten Unabhängigkeitsjahre betrachten. Der Literatur dieser Zeit war der nationale Romantizismus (Maironis), Symbolismus (Balys Sruoga, Vincas Mykolaitis-Putinas), Avantgardismus (Kazys Binkis) eigen. Daneben fanden der eigentümliche litauische Existentialismus (Salomeja Neris, Antanas Kossu-Aleksandriskis, Bernardas Brazdzionis), und auch ein Existentialismus, der schon eine tragische Vorahnung der kommenden Ereignisse in Europa hatte (Vytautas Macernis), ihren Platz. Vor dem 2. Weltkrieg herrschte Aufbruchsstimmung in der Literatur, man erwartete eine rasante Entwicklung; doch die Literatur wurde zunächst von der sowjetischen, später von der faschistischen und dann wieder von der sowjetischen Besatzung hart getroffen. Einige Schriftsteller kamen ums Leben, den anderen wurde Regimetreue, später die Unterwerfung unter die Zensur des sogenannten sozialistischen Realismus abverlangt. Andere gingen ins westliche Exil. Doch die echte Literatur überlebte sogar unter extremen Bedingungen. In den ersten Nachkriegsjahren schrieb Balys Sruoga Dievu miskas (Der Götterwald) -- einen realistischen grotesken Roman über seine Erfahrungen im nationalsozialistischen Konzentrationslager Stutthof. Die nach Westen verschlagene kleine Gruppe von Literaten schuf die Voraussetzungen für zwei sehr wertvolle in den USA erschienene Romane: Baltoji drobule (Das weiße Laken) von Algimantas Skema und Miskais ateina ruduo (Der Herbst schreitet durch die Wälder) von Marius Katiliskis. Dadurch erwuchsen der litauischen Literatur drei Werke von besonderer Bedeutung, die drei verschiedene Zustände der litauischen Seele inder Mitte des 20. Jahrhunderts reflektieren: den Zustand der unterdrückten ("Dievu miskas"), der westlichen ("Baltoji drobule") und der nostalgischen ländlichen Seele ("Miskais ateina ruduo"). Der bedeutendste Roman der letzten sowjetischen Jahre ist Priesausrio vieskeliai (Die Landstraßen im frühen Morgen) von Bronius Radzevicius, der vom Leben eines von seinen nationalen Wurzeln getrennten Intellektuellen handelt. Bis heute entfällt der größte Teil der Literatur auf die Dichtung. Nicht umsonst werden die Litauer oft als Nation der Dichter bezeichnet. Die Dichtung kann die Volksseele, das von historischer Tragik angehauchte Gedächtnis am einfühlsamsten beschreiben. Und wo die Dichtung zu Liedern wird, hilft sie die Identität der Nation auch in der Stadt zu erhalten. Gerechtigkeitshalber muß auch gesagt werden, daß die Geschichte es so fügte, daß wir mehr litauische Schriftsteller haben als Schriftsteller litauischer Nationalität. In der Renaissance wurde der Dichter Sarbiewski (Sarbievius) bekannt, der in Latein dichtete und in Rom anerkannt war, im 19. Jahrhundert gelangten Adam Mickiewicz, der polnisch schrieb, J. Slowacki und L. Kondratowicz (W. Sirokomla) zu großem Ruhm. Sie vermittelten der Welt eigene Vorstellungen von Litauen. Neben ihnen entwickelten in seinen auf Französisch geschriebenen Werken Oscar Milosz, Jurgis Baltrusaitis auf russisch und Czeslaw Milosz auf polnisch das litauische Thema und den litauischen Stil. Der letztere ist Träger des Literatur-Nobelpreises 1980. |
![]() "Metai" von K. Donelaitis -- das erste klassische Buch der litauischen Literatur, 18. Jahrhundert (Vorderseite des Buches Mitte des 20. Jahrhunderts). © K. Driskius. |
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