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Englisch Bildung und Wissenschaft Der Bildung und Wissenschaft gebührt ein besonderer, zuweilen ein entscheidender Platz in der litauischen Geschichte. Intellektuelle, Wissenschaftler, Schriftsteller, Künstler und andere Menschen, die einfach Respekt vor Bildung und Wissen hatten, waren in Litauen immer besonders geachtet. Sie haben bei der Wiedergeburt des Landes am Ende des 19. Jahrhunderts die entscheidende Rolle gespielt. Nicht weniger wichtig war der Beitrag dieser Persönlichkeiten zu den Bemühungen um die Wiederherstellung der staatlichen Eigenständigkeit rund 100 Jahre später, bereits in unserer Zeit. Schon 1397 öffnete das Kolleg der Litauer an der Prager Universität seine Türen für die Söhne des litauischen Adels. Die Ursprünge der Bildung und Wissenschaft in Litauen selbst liegen im stürmischen 16. Jahrhundert. Der Reformierte Abraomas Kulvietis gründete 1539 mit Unterstützung der Königin Bonn die erste Hochschule. Doch in der religiösen Konfrontation zwischen Katholiken und Protestanten unterlagen die letzteren, und König Sigismund der Alte unterschrieb 1542 einen Erlaß gegen A. Kulvietis und schloß dessen Schule. 1570 wurde ein Jesuiten-Kolleg in Vilnius eröffnet, das nach dem Privileg des Königs Stephan Bathory vom 1579 zum Grundstock der Universität Vilnius -- Alma mater Vilnensis -- wurde. Die Geschichte der Universität Vilnius ist eng mit dem Schicksal Litauens verbunden. Zweieinhalb Jahrhunderte lang -- bis zu ihrer Schließung 1832 -- war diese Bildungsstätte eine der angesehensten Hochschulen in Ost- und Mitteleuropa. Sie war zudem die einzige Wissensquelle nicht nur für die Litauer und andere Bürger des Großfürstentums, sondern auch für südliche und nördliche Nachbarn. Die nächstgelegenen Universitäten waren in Krakau, Prag und etwas später in Tartu (Dorpat). An der Universität Vilnius studierten und lehrten im Laufe der Zeit viele große europäische Gelehrte (P. Skarga, M. K. Sarbiewski, J. G. A. Forster, J. Gilibert, M. Poczobut, L. Kondratowicz (W. Sirokomla), P. Smugliewicz, J. P. Frank und J. Frank, A. Mickiewicz, J. Lelewel, J. Slowacki u.a.). In Litauen lebte und schuf der berühmte Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts T. Grotthuss. Zwischen den Weltkriegen konzentrierte sich die Bildung und Wissenschaft in Kaunas, wo eine Universität und mehrere Hochschulen gegründet wurden. In dem polnisch besetzten Vilnius wurde die alte Universität, die jetzt den Namen von Stephan Bathory trug, wieder ins Leben gerufen. Gegenwärtig gibt es 15 Hochschulen in Litauen: sechs Universitäten, sieben Akademien, zwei Institute. Der 81. Rektor der heutigen Alma Mater ist der Philosoph Rolandas Pavilionis. Die Zahl der an den litauischen Hochschulen eingeschriebenen Studenten erreichte ihren Höchststand im Jahre 1980 -- damals beherbergten Hörsäle und Seminarräume rund 77.000 Studierende. Jetzt ist diese Zahl auf 50.000 gesunken. Das Ansehen der Hochschulbildung, in den vergangenen fünf Jahren etwas angekratzt, gewann 1996 wieder an Glanz -- um einen Studienplatz bewarben sich in Schnitt drei Personen. Selbst bei dieser strengen Auswahl bekommen rund 40 Prozent aller Schulabgänger einen Studienplatz. Die Hochschulbildung wird zu 75 Prozent aus der Staatskasse subventioniert. Die allgemeinbildende Schule führt in 12 Jahren zur Hochschulreife. Litauen schloß sich 1994 der UNESCO-Konvention an. Rund 200 Fächer stehen den Studienbewerbern an den litauischen Hochschulen zur Auswahl. In der sowjetischen Zeit genossen insbesondere die Naturwissenschaften, Halbleiterphysik und Elektronik verstärkte Förderung. Nicht unerhebliche intellektuelle Kapazitäten im Hightech-Bereich stellen sich jetzt auf westliche Anforderungen um. 1995 betrieben 29 staatliche Forschungsinstitute und 19 andere Einrichtungen ihre Forschungen, die 1940 gegründete Akademie der Wissenschaften Litauens ist nach wie vor aktiv und die in der Zwischenkriegszeit gegründete Akademie der Wissenschaften der litauischen Katholiken hat ihre Tätigkeit wie der aufgenommen. Rund 7 Prozent des Staatshaushalts oder fast 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden für die Finanzierung der Wissenschaft aufgebracht. Litauen hat viele Forschungseinrichtungen, die sich durch private Spenden oder mit Hilfe westlicher Stiftungen tragen. Eine wesentliche Unterstützung erhält das litauische Bildungswesen von der Stiftung Offenes Litauen, die Georg Soros 1990 gründete. Die litauische Enzyklopädie wurde im US-amerikanischen Boston gedruckt. Eine Enzyklopädie, ein komprimiertes Werk aus Kultur, Bildung und Wissenschaft, ist lebenswichtig für jede Nation. Mit der Herausgabe der ersten Enzyklopädie wurde in Litauen kurz vor dem 2. Weltkrieg begonnen. Die Arbeit daran mußte jedoch nach Erscheinen des 9. Bandes eingestellt werden. Unter schwersten Bedingungen nahm man die Arbeit an der Enzyklopädie 1953 in den USA wieder auf und schloß sie 1969 nach der Herausgabe von 36 Bänden ab. (1985 erschien der 37. Ergänzungsband). Damit wurden die Litauer zu einer der wenigen Nationen, die ihre erste vollständige Enzyklopädie im Exil herausgegeben haben. |
![]() Universität Vilnius, Hauptgebäude. © S. Platukis.
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