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Grundzüge der litauischen Geschichte bis zum 1.Weltkrieg
Die ersten baltischen Stämme lebten bereits im 7.-2. Jh. v. Ch auf dem jetzigen Territorium Litauens. Doch erst viele Jahrhunderte später wurde der Name Litauen 1009 in den Quedlinburger Annalen erstmals erwähnt.

Der Fürst Mindaugas (Mindowe) vereinte 1236-63 ethnische litauische Gebiete und gründete den litauischen Staat, der dem Vordringen des Deutschen Ordens nach Osten die Stirn bieten konnte. Aus politischen Erwägungen ließ er sich 1253 taufen und durch den römischen Papst zum König krönen. Somit wurde er zum ersten und einzigen König in der litauischen Geschichte.

Der Großfürst Gediminas (Gedimin), dessen Herrscherzeit die Jahre 1316-41 umfaßt, begann eine langwährende Expansion Litauens in die Gebiete der Ostslaven. Er gründete die heutige Hauptstadt des Landes Vilnius, von ihm stammt das Herrschergeschlecht der Gediminaiciai ab, das seinerzeit viele europäische Reiche regierte.

Mit einem Vertreter dieses Geschlechts, Jogaila (Jagiello), begann, nachdem er sich 1386 zum polnischen König hatte krönen lassen, eine mehr als 400-jährige gemeinsame Geschichte Litauens und Polens. Dank dieser Union, die mit vielen Verträgen und Bündnisbildungen besiegelt wurde, kam schließlich auch das Christentum nach Litauen.

Die höchste militärische und politische Glanzzeit erlebte Litauen 1392-1430 unter dem Großfürsten Vytautas (Witold). Unter ihm wurde das Vordringen des Deutschen Ordens nach Osten gestoppt. Vytautas gewann 1410 Hand in Hand mit seinem Vetter Jogaila die Schlacht bei Tannenberg gegen den mächtigen Orden, unterwarf viele Gebiete der Weißrussen, Russen und Ukrainer und verschob die Grenze Litauens sogar bis zum Schwarzen Meer.

Im 16. Jahrhundert schwächten aber innere Konflikte den Staat. Eine engere Bindung an Polen wurde unausweichlich, und Litauen setzte 1569 seine Unterschrift unter den Vertrag über die Union von Lublin mit Polen, der die Beziehungen zwischen den beiden Nationen festigte. Mit diesem Vertrag entstand eine Adelsrepublik zweier Völker mit einem Dahlkönig, der auch als Großfürst Litauens fungierte, und einer gemeinsamen gesetzgeberischen Instanz, dem Seim. Doch mit eigenem Schatzamt, Geld, eigenen Gesetzen und Streitkräften blieb die staatliche Souveränität Litauens erhalten. Bedauerlicherweise wird diese eindrucksvolle Republik in geschichtlichen Aufzeichnungen meistens nur mit dem Namen Polen bezeichnet. Gerade in dieser Republik entstand erstmals in Europa die Wahlmonarchie. Zum ersten König einer solchen Monarchie wurde der Bourbone Heinry Valois gekürt.

Mit der Selbstverwaltung des Adels, einer Bodenreform, dem Erstarken der Städte und der Entstehung einer gebildeten Gesellschaft erlebte das 16. Jahrhundert auch eine kulturelle Blütezeit. In diesem Jahrhundert -- 1529, 1566 und 1588 -- wurden drei Statuten Litauens ausgearbeitet. Das waren Zeugnisse einer reifen Rechtskultur, die auch Teile des Staatsrechts enthielten (Das letzte Statut galt auf dem Gebiet des ehemaligen Großfürstentums Litauen sogar noch im 19. Jahrhundert, nachdem der Staat selbst schon längst von der politischen Landkarte verschwunden war.).

1654-67 verwickelte sich Litauen in Kriege mit dem erstarkenden Rußland. 1655 eroberte eine fremde Streitmacht, das zaristische Heer, Vilnius zum ersten Mal in seiner Geschichte. Um einen Ausweg aus einer verzwickten internationalen Lage zu finden und Meinungsverschiedenheiten mit Polen beizulegen, schloß Litauen in demselben Jahr den Vertrag von Kedainiai mit Schweden, der nur kurz galt. Doch die Schwächung des Staates schritt unaufhaltsam voran.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts büßte das Großfürstentum Litauen allmählich fast alle Rechte eines souveränen Staates ein. Nach erfolgreichen Kriegen gegen Schweden wurde die litauisch-polnische Republik in den Jahren 1772, 1793 und 1795 durch Rußland, Österreich und Preußen dreimal gefällt. Nach der dritten Teilung gehörte der größte Teil des ehemaligen Großfürstentums Litauen zu Rußland. Der Name Litauen wurde für 123 Jahre von der politischen Europakarte gestrichen.

Nach einem scheinbar hoffnungsvollen Anfang brachte das 19. Jahrhundert noch größere Verluste. Die hiesige Universität bekam 1803 den Namen einer Kaiserlichen Universität, Vilnius selbst schmückt sich weiterhin mit den Wahrzeichen einer ehemaligen Hauptstadt -- im Russischen Reich ist es nach Moskau und Sankt Petersburg die drittgrößte Stadt. Doch der Umschwung kommt mit dem Feldzug Napoleons gegen Rußland von 1812. Litauen empfängt die Franzosen als Befreier ausgesprochen warm, in der hohen Gesellschaft werden sie sogar verehrt. Der baldige Rückzug der Franzosen konnte folglich nichts Gutes verheißen.

Nach Napoleons Rußlandfeldzug änderte Zar Nikolaus I. seine Politik: die Besatzungsmacht begann mit einer forcierten Russifizierung. Zweimal -- 1831 und 1863 -- erheben sich die Litauer gemeinsam mit Polen gegen ihre Unterdrückung, doch auf diese Aufstände folgen schwere Niederlagen mit schmerzlichen Folgen: die Universitat von Vilnius und andere Hochschulen werden geschlossen, der Einfluß der katholischen Kirche wird immer mehr beschränkt, alle katholischen Klöster müssen schließen, der russisch-orthodoxe Glaube wird zur Staatsreligion erklärt.

1864 wird sogar die litauische Sprache mit ihrer lateinischen Schrift verboten, man beginnt mit der Einführung der sogenannten Graschdanka -- litauische Sprache in russischer Schrift. Das kulturelle Leben kommt zum Erliegen.

Zu einer Erholung kommt es erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Zeit, die als Völkerfrühling in Mittel- und Osteuropa bekannt ist. Der Kampf um den Erhalt der nationalen Kultur und für die Rücknahme des Schriftverbots breitet sich über das ganze Land aus. Das Bedürfnis nach Bildung und die Sorge um kulturelles Überleben brachte ein einmaliges Phänomen hervor -- die Bewegung der Bücherschmuggler (knygnesys). Bücherschmuggler nannte man eine Person, die Bücher zu Bildungszwecken illegal ins Land brachte. Litauische Bücher in lateinischer Schrift druckte man in Kleinlitauen, in Preußen, und schmuggelte sie dann über die Grenze nach Großlitauen. Diese Bewegung bewirkte die Entstehung der Infrastruktur der sogenannten "Schule zu Hause" mit vielen Lehrern ohne formellers Diplom. Im Laufe einiger Jahrzehnte nahm die Analphabetenzahl beträchtlich ab und der Grad des Bewußtseins nahm zu. Dr. Jonas Basanavicius gab ab 1883 die erste litauische periodische Zeitschrift Ausra (Die Morgenröte) heraus. Der Vertrieb dieser Zeitschrift war ebenfalls illegal. Rasch stieg das Ansehen gebildeter Menschen in Litauen. Immer mehr Studenten stellten nach Abschluß russischer, polnischer oder anderer westlicher Hochschulen ihr Wissen und ihre Kräfte der Bewegung der nationalen Wiedergeburt zur Verfügung.

Die Bewegung der Wiedergeburt nahm Anfang des 20. Jahrhunderts so an Schwung zu, daß 1905 Didysis Vilniaus Seimas (der Große Landtag von Vilnius), zusammentreten konnte, der die Forderung nach Autonomie für Litauen artikulierte. Vertreter Litauens wurden auch in das neue russische Parlament, die Duma, gewählt, wo sie immer entschlossener ihre Rechte zu verteidigen suchten.

Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges wird Litauen schnell vom kaiserlichen Deutschland besetzt. Vor dem Ende des Krieges, als günstige politische Bedingungen entstehen, kommen Delegierte aus ganz Litauen im September 1917 in Vilnius zusammen und halten eine Konferenz ab. Der hier gewählte 20-köpfige Landesrat beschließt am 16. Februar 1918 die Wiedererrichtung eines unabhängigen litauischen Staates. Die deutsche Armee und Verwaltung beherrschen allerdings weiter das Land.







Die Burg von Trakai, die mittelalterliche Hauptstadt Litauens. © S. Platukis.



Die Büste des litauischen Großfürsten Vytautas (die Vilniusser Sankt Michaelis-Kirche). © K. Driskius.



Die Schlacht von Tannenberg 1410, Reproduktion des Bildes von J. Motejka.



Vilnius im 16. Jahrhundert (aus dem Atlas "Civitates orbis terrarum" von G. Brown, der 1572-1617 publiziert wurde). © K. Driskius.



Vilnius im 19. Jahrhundert. Die Burg-Straße. © K. Driskius.


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