Im 19. Jahrhundert wurde Karst, die deutsche Entsprechung des slowenischen Namens „Kras“, für das 500 Meter hohe Plateau zwischen Triest, Vipava, Gorica und Postojna, zum wissenschaftlichen Begriff für ähnliche Landformationen in aller Welt. In vielen Sprachen der Welt steht „Karst“ für „felsige, wasserarme Kalksteinoberflächen mit unterirdischen Erosionsphänomenen, die durch den chemischen Prozeß von Wasser auf löslichen Stein entstehen“. Ein Drittel der slowenischen Landoberfläche besteht aus Kalkstein; in dieser Oberfläche bilden sich Dolinen (trichterförmige Vertiefungen), Poljen (Einbruchsbecken), Uvalas genannte Poljen mit schrägen Talsohlen, blinde Täler über den Sauglöchern der Wasserläufe, Trockentäler und verschiedene andere Karsterscheinungen. Unterirdisch bilden sich Karstgrotten und -hohlräume.
In der Karstregion Sloweniens begann die wissenschaftliche Erforschung der Karstphänomene. Der slowenische Gelehrte Janez Vajkard Valvasor erkundete und beschrieb viele slowenische Karsthöhlen und reichte 1687 bei der Royal Academy in London eine Abhandlung ein über die Naturmechanismen, die den periodisch auftretenden Cerkniþko jezero (Zirknitzer See) durch ein System von unterirdischen
Wasserläufen und Reservoiren füllen und leeren. In Anerkennung seiner Arbeit wurde er als Mitglied in dieses hochangesehene Institut aufgenommen. Der Geograph Jovan Cvijic führte später die slowenischen Begriffe „dolina“ (Tal) für die Vertiefungen und „polje“ (Felder) für die Karstbecken in die wissenschaftliche Fachliteratur ein. 1889 wurde in Postojna der erste slowenische Verein für Höhlenkunde, Anthron, gegründet. 1910 folgte in Ljubljana die Gründung eines speziellen überregionalen Verbandes für die wissenschaftliche Erforschung der unterirdischen Höhlen. Heute gehören dem Slowenischen Speläologenverband etwa 1.500 Mitglieder an. 1929 wurde in Postojna ein speläologisches Institut für die umfassende Karstforschung eingerichtet,
das seit 1947 eine Außenstelle der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Bildenden Künste ist. Slowenische Höhlenwanderer und professionelle Höhlenforscher haben in den letzten 100 Jahren mehr als 6.000 Karstgrotten entdeckt. In Anbetracht der Tatsache, daß man beim Bau der Schnellstraße von Ljubljana zur Adriaküste pro Kilometer
durchschnittlich auf sieben Höhlen stieß - von denen jeweils nur drei vorher bekannt waren -, schätzt man, daß etwa die Hälfte der slowenischen Karsthöhlen noch unentdeckt ist.
Die Stadt Postojna liegt an dem niedrigsten Paß (609 Meter), den es zwischen dem französischen Rhônetal und dem griechischen Vardartal gibt. Neben dem Adler führt die Stadt in ihrem Wappen das Höhlentier Proteus anguinus, auch „menschlicher Fisch“ genannt, mit seinem langen Körper und verkümmerten
Augen. Dieses Symbol der slowenischen Karstunterwelt ist seit mehr als 750 Jahren bekannt und wurde 1689 von Valvasor in seinem Buch Die Ehre des Herzogthums Crain beschrieben. Mit ihren Tunneln von 20 km Länge ist die Postojnska jama (Adelsberger Grotte) die bekannteste unter den zwanzig mit Stalaktiten, Stalagmiten und anderen Kalksteinformationen gefüllten Tropfsteinhöhlen, die für die Besucher in Slowenien zugänglich sind. Bereits im Jahre 1213 markierte ein gewisser „C.M.“ seinen Besuch in der Grotte von Postojna, und bis zum heutigen Datum wurden über 30 Mio.
Besucher gezählt. 1872 wurden die ersten Schienen für die Höhlenbahn gelegt, mit der man heute eine Rundfahrt machen kann; die erste elektrische Beleuchtung wurde vor 110
Jahren installiert.

Die Postojna-Grotte
Die
Grotte von Vilenica, in der sich die Einheimischen einst vor den Türken versteckten, ist die wohl älteste, touristisch erschlossene Karsthöhle der Welt. Seit 1633 werden die
Besucher der Höhle in Gästebüchern festgehalten, von denen eines aus dem Jahr 1821 noch erhalten ist. Die fünf Kilometer langen Grotten von ©kocjan entstanden durch den Fluß Reka, der hier verschwindet, nach vierzig Kilometern unter der Erde als der Fluß Timava wieder auftaucht und bei Duino in die Bucht von Triest fließt. Die Höhlenräume von
Skocjan erreichen vom Boden bis zur Decke eine Höhe von 90 Metern. Der französische Höhlenforscher Casteret schrieb, daß dies in der Welt einmalig sei; 1986 wurden diese
Höhlen in die UNESCO-Liste der Natur- und Kulturgüter aufgenommen. Die Kriæna-Grotte bei Loæ (8,2 Kilometer) mit ihren 22 unterirdischen Seen, die Planinska-Grotte bei
Planina (6,1 Kilometer) mit dem unterirdischen Zusammenfluß der Flüsse Pivka und Rak und die Taborska-Grotte gehören zu den größeren Tropfsteinhöhlen Sloweniens. Die Grotte hinter der Burg Predjamski Grad in der Nähe von Postojna ist mit seinen sechs Kilometer langen Tunneln, die sich über fünf Ebenen verteilen, eine besondere Kuriosität. Die malerische vierstöckige Burg hängt buchstäblich in einer 120 Meter hohen Felswand.
Der zu bestimmten Jahreszeiten verschwindende Cerkniþko jezero (Zirknitzer See) wurde bereits vor gut 2000 Jahren schriftlich erwähnt, und heute findet man eine Beschreibung des Sees in allen besseren Schulbüchern. Valvasor bezeichnete ihn als eines der größten Weltwunder, weil die
Menschen hier an ein und derselben Stelle im Sommer Heu mähten, im Winter Baumstämme über das Eis transportierten und im Frühling angelten. Während der heftigen Regenfälle
im Herbst oder der Schneeschmelze im Frühling füllt sich dieser über zehn Kilometer lange und fünf Kilometer breite See und versickert dann im Mai oder Juni wieder. Valvasor
beschreibt anschaulich, wie die Bauern herbeieilen, um die Fische zu fangen, die um die Sauglöcher herum auf dem Trockenen zappeln, wenn der See verschwindet. Ein Teil des
Wassers aus dem See fließt unterirdisch in das Gebiet von Rakov kocjan, taucht als der kleine Fluß Rak wieder auf, verschwindet nach zwei Kilometern wieder unter der Erde,
fließt dann in der Höhle von Planinska mit der Pivka zusammen, taucht anschließend wieder als Fluß namens Unica auf, um sich durch die Planinsko polje zu schlängeln und
schließlich bei Vrhnika als Quelle des größeren Flusses Ljubljanica weiter an der Oberfläche zu fließen. Der geplante Regionalpark Notranjska wird den Cerknisko Jezero,
das Planinsko Polje, die Höhle von Postojna und das Gebiet Rakov kocjan umfassen.
In der Karstregion wurden die Wälder von den Venezianern abgeholzt, die ihre Lagunenstadt auf Holzpfählen errichteten. Vor der
Wiederaufforstung im letzten Jahrhundert war das Lippizanergestüt Lipica bei Seæana viele Jahre lang eine grüne Oase inmitten einer grauen Steinwüste. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts kaufte der Habsburger Erzherzog Karl hier Land und gründetet 1580 das Gestüt, um die temperamentvollen Lippizaner-Schimmel zu züchten. Als Fohlen haben sie noch eine braune oder mausgraue Farbe, die ausgewachsenen Pferde sind aber fast alle weiß. Die hochintelligenten Lipizzaner dienten ursprünglich als Zug- und Paradetiere, werden heute aber als Reit- und Dressurpferde geritten oder vor Kutschen gespannt. In Lipica entstand ein größeres Touristenzentrum mit dem Gestüt, einem Reitzentrum, Freizeiteinrichtungen, Hotels und einem Spielkasino. Die Reitschule, Tagesausritte,
längere Touren zu Pferd und Kutschenfahrten sind Anziehungspunkte für Besucher.
Vor allem im Winter bläst der starke Nordostwind Bora von der Karsthochebene des Trnovski Gozd in die Bucht von Triest
hinunter, ein Sturm, der mehrere Tage anhalten kann. Böen von bis zu 180km/h legen den Verkehr lahm, decken Häuser ab, obwohl deren Spezialziegel mit Steinen beschwert werden,
und reißen Bäume aus. Der Wind ist im Vipava-Tal und in der Umgebung Kopers besonders stark. Seit Jahrhunderten nutzen die Familien in der Karstregion den Wind zur Haltbarmachung ihres berühmten Karst-prþut (dem italienischen prosciutto ähnlich), einem luftgetrockneten Schinken, der mit seinem würzigen Duft und Geschmack eine einzigartige Delikatesse ist.
Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Slowenen damit, die kargen, steinigen Landschaften mit Pinus nigra aufzuforsten, und die Wälder breiteten sich weiter aus, als das Weideland für die Viehzucht aufgegeben wurde. Heute ist über die Hälfte der Karstregion von Wald bedeckt, der oft den Wind Bora abhält und damit das Trocknen des prþut beeinträchtigt. In der Karstregion gibt es sehr wenig Ackerland; Felder, Weinberge und Wiesen findet man nur in den Dolinen, Trockentälern und Terrassen. Hier wird der Teran, der berühmte Wein aus der Karstregion, aus der einheimischen refoþk-Traube, die extra auf Spalieren gezogen wird, hergestellt. Der Teran zeichnet sich durch seine rubinrote Farbe, den fruchtigen Geschmack, die Frische und einen niedrigen Alkoholgehalt aus; er ist appetitanregend und wirkt sich vorteilhaft auf die Gesundheit aus. Traditionellerweise wird er zu prþut, Wild und Käse gereicht. |

Die Grotten von Skocjan, Weltkulturerbe der UNESCO

Die Karstwelt bei den Grotten von Skocjan

Die Burg Predjama

Der "menschliche Fisch", Grottenolm (Proteus anguinus)

Ein Karstweingarten

Das periodische Cerknisko jezero (Zirknitzer See)

Lippzanerpferde beim Gestut und Reitzentrum Lipica

Eine naturliche Brucke im Regionalpark Rakov Skocjan

Das Loski potok-Tal
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